Wo liegen die Grenzen des Wachstums?

Das Wirtschaftswachstum ist insgesamt begrenzt. Deshalb kann ein eindimensionales Streben nach quantitativem Wachstum nicht sinnvoll sein. Je näher Sie an natürliche Grenzen kommen, desto größer werden Widerstände spürbar, die weiteres Wachstum hemmen.

Dann werden eher solche Fähigkeiten über den nachhaltigen Erfolg entscheiden, mit denen qualitative Wachstumsdimensionen erschlossen werden können. Organisationen, die über diese Fähigkeiten verfügen, werden sich im Vergleich zu anderen Organisationen besser entwickeln und ein relatives Wachstum innerhalb eines natürlich begrenzten Gesamtmarktes erzielen können.

Dies ist kein grundsätzliches Plädoyer gegen Wachstum; Unternehmen, die in ihren Geschäftsfeldern nachhaltig wirtschaften, können und sollen durchaus gesund wachsen, aber mit Maß, in Kreisläufen und, wenn möglich, vor allem in qualitativer Hinsicht.

Oft gibt es sogar beeinflussbare Wachstumsgrenzen, die durch geeignete Maßnahmen aufgelöst werden können. Um die Situation treffend einzuschätzen und angemessen zu handeln, ist ein gutes Verständnis der Systemzusammenhänge erforderlich. Welche Mechanismen hemmen in Ihrem Geschäft weiteres Wachstum? Können diese Mechanismen beeinflusst werden? Kann die Wirkung solcher Mechanismen vielleicht sogar invertiert werden, so dass sie das Wachstum unterstützen?

Gelingt Ihnen dies nicht, ist das Gesamtwachstum offensichtlich definitiv begrenzt; erfolgversprechende Strategien sollten dieser Einsicht dann entsprechen. Es gibt durchaus lohnende Strategien die kein quantitatives Wachstum, sondern die Umsetzung qualitativer Ziele verfolgen. Ein ausgewogenes Zielsystem kann mit der Balanced Scorecard gut entwickelt und umgesetzt werden.

Wirtschaftswachstum wird vermeintlich als die Grundlage für Wohlstand verstanden. Ist mehr Arbeit zu verrichten, erhöhen sich das Einkommen für die Beteiligten und der Wert des Geschaffenen ? so die gängige, verkürzte Formel. Nach vielen Jahrhunderten sehr mäßigen Wirtschaftswachstums hat sich das Wachstum seit Beginn der Industrialisierung gegen Ende des 18. Jahrhunderts exponentiell beschleunigt.

Tatsächlich hat dieses beschleunigte Wachstum vordergründig Vielen Wohlstandsgewinn eingebracht. Heute stehen uns Produkte aus aller Welt zur Verfügung und wir erfreuen uns an einer höheren Mobilität und an „Komfortmaschinen“ (Klimaanlagen, elektrische Sitzverstellung etc.), die mit Energie betrieben werden, und an nützlichen Anwendungen der Telekommunikation (Mobiltelefonie, mobiler Zugriff auf internet-basierte Anwendungen). Doch all diese Möglichkeiten speisen sich aus einem zunehmenden Raubbau an der Natur und am Menschen selbst. Es wäre deshalb eine Illusion anzunehmen, wir könnten diese Entwicklung unbegrenzt fortsetzen, geschweige denn, dabei gewinnen. Da es kein Perpetuum Mobile gibt und Transformationsprozesse sogar verlustbehaftet sind, bewegen wir uns in einer Einbahnstraße von Energiequellen zu Energiesenken. Wer das anders sieht, betrachtet die Transformationskette sehr wahrscheinlich in einer verkürzten Form.

Bei aller Zufriedenheit mit dem Wachstum haben wir lange Zeit nur eine Seite der Medaille betrachtet und wir haben uns nicht mit der Realität auseinandergesetzt, dass dieses Wachstum begrenzt ist. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Schon der 1972 vom Club of Rome veröffentlichte, von Dennis Meadows et al. verfasste Bericht „The Limits of Growth“ zur Lage der Menschheit wies ausdrücklich auf die Grenzen des Wachstums hin. Meinhard Miegel ging in seinem Anfang 2010 bei Propyläen in Berlin erschienenen Buch „Exit ? Wohlstand ohne Wachstum“ sehr treffend auf das Thema auf gesellschaftlicher Ebene ein.

Versuchen Sie, Miegels scharf formulierte und äußerst fundierte Gedanken auf Makroebene und Nicholas Sterns wertvolle Ideen und Anregungen zum Klimaschutz („Der Global Deal“, C. H. Beck, München 2010) in Ihren Entscheidungen in der Unternehmenspraxis zu berücksichtigen.

Nicht nachhaltiges Wachstum belastet zunehmend unsere Umwelt und unsere Gesundheit.

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