Produktqualität durch Standards und Kontrolle

Neben der Produkt- und Service-Differenzierung kann auch die Produktqualität Ihren Absatz und Ihren Umsatz maßgeblich beeinflussen. Machen Sie sich dabei bewusst, dass sich die Produktqualität nicht allein als Grad der Erfüllung konkreter Anforderungen, Vorschriften, Normen oder Zulassungsbedingungen ergibt. Das kann standardmäßig erwartet werden. Wirksam ist die von Nutzern wahrgenommene Anwendungsfreundlichkeit, die Haptik, das optische Design und die Materialauswahl, aber auch die Service-Freundlichkeit ? und die mit dem Produkt verbundenen Assoziationen. Produktqualität kann also durchaus von Designern und vom Marketing mitgestaltet werden.

Eine Beschränkung auf die formalen Anforderungen ist zu kurz gedacht: Durch einen angemessenen internen Qualitätsstandard werden sowohl die Produktionseffektivität als auch die Rentabilität steigen. Ein feinfühliges Erhöhen der Produktionsqualität macht Prozesse besser beherrschbar. In der Folge können Produktionsstillstände, Ausschuss, Prüfkosten, Nacharbeit sowie interne und externe Reklamationen verringert bzw. sogar vermieden werden. Über eine rein finanzielle Betrachtung hinaus hat eine ruhige und störungsfreie Produktion direkte Auswirkungen auf das Betriebsklima, auf die Motivation der Mitarbeiter und schließlich auch auf die Kranken- und Unfallquote.

Beispiel 1: Ein Hersteller von Kunststoffrohren für die Bauindustrie reagierte auf den durch Überkapazitäten herrschenden extremen Preisdruck unter anderem mit einer Rückführung der Produkteigenschaften und produzierte nach eigenem Selbstverständnis „anforderungsgerecht“, d. h., die aus zugrundeliegenden Vorschriften, Normen und Zulassungen geltenden Minimalanforderungen wurden eingehalten, alle Eigenschaften oberhalb dieser Qualitätsuntergrenzen und neben den Normforderungen wurden aus dem Produkt entfernt. Dadurch wurde zunächst eine deutliche Einsparung von Material- und Produktionskosten erzielt. Vermeintlich war jede Verschwendung eliminiert. W. Edwards Deming hätte sich sicher gefreut.

Die Fachgroßhändler lehnten in Folge die neuen Ausführungen aber zunehmend ab, da ihre Kunden, die Endanwender im Vergleich zu alternativen Produkten nun eine mangelnde Robustheit der Rohre befürchteten. Der Hersteller musste infolge einen drastischen Imageverlust auch in anderen Bereichen hinnehmen.

Zudem wurde durch die intern angeordnete konsequente Orientierung an den Minima der gesetzten Anforderungen die Möglichkeit der Regelung und Steuerung des Produktionsprozesses aufgegeben. Die bis zu 40m langen Extrusionslinien reagieren äußerst träge auf Einstellungen und andere Eingriffe. Daher wurden schon durch kleine Streuungen große Mengen an Endprodukten zu Ausschuss. In der Folge stiegen die Produktionskosten durch die Ausschusserhöhung, durch Nacharbeit bzw. das Verwerfen von Produkten. Darüber hätte sich Deming nicht gefreut.

Die Produktivitätssteigerung setzt eine konsequente Qualitätsplanung voraus, die nach einem ersten, akzeptablen Produktdesign bereits bei der Auswahl der Maschinen, des Materials und des geeigneten Personals startet. Binden Sie den technischen Einkauf eng ein, um sowohl die passenden Maschinen und Werkzeuge wie auch die geeigneten Rohstoffe und Materialien für eine störungsfreie Produktion anforderungsgerechter Produkte zu erhalten. Das Optimum wird immer ein gut abgestimmter Kompromiss verschiedener Anforderungen sein.

Planen Sie ganzheitlich: Der eigentliche Produktionsprozess muss, auch in Abstimmung mit der Arbeitsvorbereitung, der Produktionsplanung und dem Forecast des Verkaufs-Teams, bereits so detailliert geplant und entworfen werden, dass bereits vor dem Start der eigentlichen Produktion unnötige, zusätzliche Rüstzeiten vermieden und Stillstände und Arbeiten durch einen Produkt- oder Materialwechsel so gering wie möglich gehalten werden können. Zu dieser ganzheitlichen Planung gehört auch die Sicherstellung der Produktentnahme, der Verpackung und des Transports der Verpackungseinheiten in ein geeignetes Lager.

Hilfreich ist die Gestaltung durchgehender Prozesse, Skills für agiles Arbeiten und Methodik für das Change Management.

Beispiel 2: Bei einem Hersteller von Kunststoffrohren wurden für einen Händlerkunden hochpreisige Spezialrohre einzeln in Folie eingeschweißt und in Kartons verpackt. Diese Einheiten wurden in eine weitgehend offene Halle verbracht und dort gestapelt. Im Verlauf einer saisonal bedingten wochenlangen Lagerung traten unterschiedliche Wetterlagen auf, und die ungeschützten Kartonumverpackungen wurden feucht und instabil. Die mangelhaften Verpackungen führten zu sehr aufwendig zu bearbeitende Kundenreklamationen. Durch eine zu früh endende Planung der Produktqualität mussten neben den finanziellen Einbußen gravierende Imageverluste verkraftet werden.

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