Personnel Due Diligence: Personalqualität von Unternehmen

Die Qualität eines Unternehmens bzw. eines Geschäftsbetriebs ergibt sich in erster Linie durch die handelnden Personen. Deshalb ist es Kaufinteressenten im Zuge einer Due Diligence besonders wichtig, das Management-Team und die Mitarbeiter kennenzulernen. Die Qualität Ihres Management-Teams und der betrieblichen Abläufe hat einen erheblichen Einfluss auf die Fungibilität Ihres Unternehmens bzw. Ihres Geschäftsbetriebs und auf den Verkaufserlös.

Eine Personnel Due Diligence bringt die Personalqualität von Unternehmen zum Ausdruck, macht aber auch Schwachstellen sichtbar.

Kaufinteressenten möchten in Erfahrung bringen, wie gut die relevanten Fähigkeiten in der Belegschaft ausgeprägt sind und welche Potenziale (im positiven Sinne) bestehen. Sie interessieren sich auch für die Qualität der Zusammenarbeit entlang des Geschäftsprozesses und für Möglichkeiten zur Prozessoptimierung. Außerdem interessieren sie sich für die Personalfluktuation und die Bindung von Schlüsselpersonal. Ganz wichtig ist für Kaufinteressenten, inwieweit der Geschäftsbetrieb von dem verkaufenden Gesellschafter abhängt. Dabei sind insbesondere zwei Kriterien relevant: Die persönliche Bindung von Schlüsselpersonal („walking assets“) an den bisherigen Gesellschafter und die Abhängigkeit des Geschäftes selbst von dem bisherigen Gesellschafter. Beide Aspekte sind besonders bei inhabergeführten Unternehmen kritisch und untersuchenswert.

Die Unabhängigkeit von dem bisherigen Gesellschafter zeigt sich in der Qualität des Management-Teams. Entsprechend werden Kaufinteressenten die Entscheidungsbefugnisse des Management-Teams hinterfragen. Sie werden aber auch die Art, in der Entscheidungen zustande kommen, verstehen wollen.

Aus ihren Gesprächen mit Führungskräften werden Kaufinteressenten die Erwartungen der Führungskräfte an „ihren“ Gesellschafter herauszuhören versuchen. Hier geht es um kulturelle Übereinstimmung („cultural fit“).

Kaufinteressenten können schon aus dem Organigramm eines Unternehmens erkennen, was für das Management besonders wichtig ist und wo es ggf. „blinde Flecken“ gibt. Manche notwendigen Funktionen spiegeln sich in Organigrammen nicht oder nicht auf einer angemessenen Hierarchieebene wider. Oft sind dies Koordinations- und Optimierungsfunktionen und Funktionen, die die betrieblichen Aktivitäten in das Marktgeschehen einbinden sollen. Hier werden Kaufinteressenten näher hinsehen wollen. Aber auch die gewählte Organisationsform lässt Schlüsse auf die Führungskultur zu.

Im Zuge einer Personnel Due Diligence und einer Legal Due Diligence werden auch Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen und die Arbeitsverträge der Führungskräfte und der Mitarbeiter betrachtet. Vordergründig können Kaufinteressenten erkennen, ob das Unternehmen branchenüblich zahlt, ob die vereinbarten Kündigungsfristen und Abfindungsansprüche für Schlüsselpersonen angemessen sind. Sie können aber aus den Formulierungen in den Verträgen und aus den Themen, die in Betriebsvereinbarungen geregelt sind, auch auf die Führungskultur im Unternehmen schließen.

Beispiel: Es gibt Unternehmen, in denen die Arbeitsverträge, die, abgesehen von dem vereinbarten Gehalt und den vereinbarten Urlaubstagen, nur Pflichten für Mitarbeiter ausweisen. Entsprechend wird die Haltung des Managements sein, und entsprechend wird sich das Personal auch verhalten.

Auch arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen werden im Rahmen der Personnel Due Diligence aufgedeckt. Nicht nur arbeitsrechtliche Verfahren, sondern auch der Schriftverkehr zwischen der Personalabteilung und Mitarbeitern kann Aufschlüsse über künftige Abfindungsrisiken geben. Übrigens ist die Historie arbeitsrechtlicher Auseinandersetzungen ein Indikator für die Führungskultur und die Arbeitsatmosphäre im Unternehmen. Auch der Krankenstand in der Belegschaft lässt Rückschlüsse auf die Führungskultur zu. Deshalb werden sich Kaufinteressenten auch die Entwicklung des Krankenstandes detailliert ansehen. Führungsqualitäten können kaum direkt erfasst werden, schlagen sich aber indirekt in der Innovationskraft, in der Agilität und im Krankenstand nieder.

Erkenntnisse aus der Personnel Due Diligence werden Kaufinteressenten in ihrem finalen Kaufpreisangebot berücksichtigen.

Ganz wichtig ist die Prüfung eventueller Pensionsverpflichtungen und ihrer Deckung. Pensionsverpflichtungen können zu einem Deal Breaker werden.

Oft nehmen Kaufinteressenten die Kosten für Anpassungen im Personalbereich (Kündigungen, Personalsuche, Bindungsmaßnahmen für Schlüsselpersonen etc.) und bestehende Pensionsverpflichtungen als berechtigte Argumente für Abstriche beim Kaufpreis.

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