Nutzen der Spieltheorie bei Entscheidungen

Spieltheoretische Modelle können sinnvoll in Verhandlungssituationen zwischen Geschäftspartnern eingesetzt werden, in denen die Absicht des Verhandlungspartners nur teilweise transparent ist und seine Handlungsmöglichkeiten nur teilweise bekannt sind. Dasselbe gilt für Kooperationsbeziehungen. Beziehungen zwischen Führungskräften und Mitarbeitern zählen ebenso zu Kooperationsbeziehungen wie Beziehungen zwischen Herstellern und Handelsvertretern und Beziehungen zwischen Projektpartnern. So können Mitarbeitergespräche durch spieltheoretische Modelle an Qualität gewinnen.

Alle Kooperationspartner möchten den maximalen Nutzen aus einer Kooperation ziehen, bringen aber genau deshalb nicht unbedingt maximale Leistung in die Kooperation ein. Darunter können Kooperationsergebnisse so stark leiden, dass der Sinn der Kooperation infrage gestellt werden kann. Auch die Entscheidung für Strategien wird in der Regel bei unvollständiger Information getroffen. In solchen Fällen werden Szenarien systematisch durchdacht, um die eigene Position durch strategische Entscheidungen zu optimieren.

Dass Vertrauen und eine gute Kommunikation entscheidenden Einfluss auf die Zusammenarbeit haben, bedarf eigentlich keiner Erwähnung. Aber welche Indizien rechtfertigen wie viel Vertrauen? Was ist unter guter Kommunikation wirklich zu verstehen? Diese Fragen sind nicht trivial. Erreichen wir gute Kommunikation dann, wenn sich jeder Einzelne rational verhält? Am Beispiel des viel zitierten Gefangenendilemmas erkennen wir, dass rationales Verhalten auf individueller Ebene zu kollektiver Selbstschädigung führen kann, die als Kollektivgutproblem (CO2-Emission, Wasserverschmutzung) oder soziales Dilemma (soziale Umverteilung, Krankenkassensysteme) erfahren wird. Die Grundstruktur von Kollektivgutproblemen und sozialen Dilemmata ist, dass mehrere bis viele Akteure, die in wechselseitiger Interdependenz stehen, sich aber nicht unmittelbar miteinander abstimmen können, jeweils über verschiedene Handlungsalternativen verfügen; dabei bestehen symmetrische Auszahlungsmöglichkeiten, die zu einem nachhaltigen Wirtschaften beitragen können. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, die Grenzen des Wachstums zu erkennen und die Folgen des Wirtschaftswachstums zu berücksichtigen.

Auf den Zusammenhang, dass sich irrationale, nicht optimale gesellschaftliche Zustände durchaus als Konsequenz strikt rationalen Handelns individueller Akteure ergeben können, machten schon Brian M. Barry und Russel Hardin in „Rational Man and Irrational Society“ aufmerksam. Offenbar fallen individuelle und kollektive Rationalität oft auseinander. Dadurch bleiben die Ergebnisse ineffizient. Lösungsmöglichkeiten werden entweder nicht erkannt oder können nicht erreicht werden. Unterstützen kann ein Balanced Scorecard-Konzept, ein Konzept zur Corporate Social Responsibility (CSR) und zum Employer Branding sowie ein Ausbau der Kooperationsfähigkeit.

Der amerikanische Mathematiker und Begründer der Kybernetik Norbert Wiener drückte bereits 1966 in seinem einflussreichen Werk „Mensch und Menschmaschine“ aus, „[?,] dass die Gesellschaft nur durch das Studium der Nachrichten und der zugehörigen Kommunikationsmöglichkeiten verstanden werden kann“. Tatsächlich ist ein gutes Verständnis der Kommunikation der Schlüssel zu Stabilität und zu einer höheren Effizienz. Kommunikation ergibt sich durch das Aussenden, Empfangen und Deuten von Signalen. Das Spektrum der Möglichkeiten, die diese Aktivitäten bergen, ist nicht zu unterschätzen. Häufig ist Information asymmetrisch verteilt, Signale können ehrlich oder (bewusst) falsch (Drohungen, Bluff) sein.

Es können unvollständige Informationen vorliegen oder Rationalitätslücken bestehen, die zu falschen Entscheidungen führen; strategische und taktische Interdependenzen zwischen Beteiligten können auch infinite Regresse hervorrufen, die unlösbar erscheinen.

Spieltheoretische Ansätze, die sich mit Entscheidungen in Situationen strategischer Interdependenz befassen, können helfen, Interaktionsstrukturen zu verstehen, Möglichkeiten besser einschätzen zu können und gute Lösungswege zu erkennen. Die Spieltheorie ist eine mathematische Disziplin. Mithilfe der Mathematik können Methoden und formale Modelle bereitgestellt werden, um soziale Interaktionen formal und präzise zu beschreiben. Für ein grundsätzliches Verständnis der spieltheoretischen Ansätze ist es aber nicht erforderlich, sich in die Tiefen der Mathematik zu begeben. Das ist eine gute Nachricht, denn gute Lösungen können umso besser durchgesetzt werden, je mehr an einem Entscheidungsprozess Beteiligte über einen Einblick in die Prinzipien der Spieltheorie verfügen.

Die Spieltheorie weist auf wichtige Mittel hin, wie Institutionen, soziale Normen, soziale Sanktionen, Reziprozität und die Selbstorganisation von Kooperation in wiederholten „Spielen“, mit denen Kollektivgutprobleme und soziale Dilemmata gelöst werden können.

Im Folgenden stelle ich ausgewählte Aspekte der Spieltheorie zusammen, die Erkenntnisse für ein besseres Verständnis von Wirkungszusammenhängen liefern können.

Grundsätzlich müssen zwei Typen von Spielen unterschieden werden, nämlich Spiele (i) in Situationen, die simultane Entscheidungen verschiedener Beteiligten verlangen, die wechselseitige Auswirkungen haben und nicht miteinander abgestimmt werden können (darstellbar in der Normalform), und (ii) in Situationen, in denen Entscheidungen sequentiell getroffen werden (darstellbar in der Extensivform). In sequentiellen Entscheidungssituationen können zusätzlich zu den oben skizzierten Gründen für Fehlentscheidungen auch Missverständnisse, Täuschungen oder Fehlinterpretationen vorliegen, die als Möglichkeiten berücksichtigt werden sollten, um zu guten Entscheidungen zu gelangen.

Betreffend die Ausrichtung der Interessen aller Beteiligten gibt es grundsätzlich eine große Bandbreite zwischen den Extrema (i) übereinstimmender und (ii) entgegengesetzter Interessen.

Um in wechselseitigen Entscheidungssituationen mit übereinstimmenden Interessen ein stabiles und effizientes Ergebnis zu erreichen, ist ein Koordinationsproblem zu bewältigen. Zur Lösung können entweder eine offene und sachbezogene Kommunikation, soziale Normen oder beides beitragen. Durch eine erfolgreiche Koordination können sich alle Beteiligten besserstellen als vor dem Spiel. Gelingt dies, wird gemeinsam Wert geschöpft.

Sind die Interessen der Beteiligten entgegengesetzt, wird eine Entscheidung bestenfalls auf ein Nullsummenspiel hinauslaufen. Das heißt, dass unter dem Strich kein Wert geschöpft wird, auch wenn sich einzelne Parteien durch das Spiel besserstellen mögen. Bei der Verteilung spielt die jeweilige Ausprägung der beiden Motive, (i) selbst nicht ausgebeutet zu werden (defensives Motiv) und (ii) die anderen möglichst auszubeuten (aggressives Motiv), eine zentrale Rolle.

Die meisten realen Entscheidungssituationen werden irgendwo zwischen diesen Extrema ausgetragen. Es wird sowohl übereinstimmende als auch gegenläufige Interessen geben. Diese vermischte Interessenlage erhöht die Komplexität von Entscheidungssituationen. Lösungsmöglichkeiten liegen in einer sinnvollen Kombination von Kooperation und Konfliktbegrenzung. Die Entwicklungsmöglichkeiten können wegen der höheren Komplexität aber nicht so einfach erfasst werden.

Wichtige Modelle für Entscheidungssituationen in Unternehmen sind das Nash-Gleichgewicht und das Pareto-optimale Gleichgewicht.

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