Die gemischte Strategie

In der Wirtschaftsrealität kommen selten reine Strategien zum Einsatz. Unter einer reinen Strategie wird eine Option verstanden, die von rationalen Entscheidern gewählt werden muss, weil sie evident die beste Option für den Entscheider ist. Oft sind die Verhältnisse aber nicht so klar, insbesondere, wenn unter unvollkommener Information entschieden werden muss, wie es in der Wirtschaftspraxis meistens der Fall ist.

In solchen Fällen ersetzt die Spieltheorie den Begriff „Unsicherheit“ durch „Wahrscheinlichkeiten“, mit denen rationale Entscheider verfügbare Optionen auswählen. Eine Wahrscheinlichkeit von p=0 bedeutet, dass eine Option mit Sicherheit nicht gewählt wird, während eine Wahrscheinlichkeit von p=1 bedeutet, dass eine Option ganz sicher gewählt wird.

Bei unvollkommenen Informationen wird sich das Spektrum der Wahrscheinlichkeiten zwischen p=0 und p=1 befinden, wobei sich die einzelnen Wahrscheinlichkeiten aller sich gegenseitig ausschließenden Optionen zu 1 aufaddieren.

Das strategische Denken in Wahrscheinlichkeiten erschließt systematisch den Zugang zu Risiken und gibt Hinweise auf deren Eintrittswahrscheinlichkeiten. Entscheidungsträger können sich durch gemischte, antizipierte Antwortstrategien angemessen auf die erkannten Risiken vorbereiten.

Dadurch liefert die Spieltheorie einen wichtigen Beitrag zum Corporate-Foresight-Konzept, einer Vorgehensweise, die hilft, szenariobasierte Strategien zu entwickeln.

Grundsätzlich ist die Kenntnis der Unsicherheitskategorie einer Situation für eine sinnvolle Entscheidung wichtig, und zwar in Bezug auf die Wirkungen der jeweiligen Entscheidungsvarianten, wie es schon Heinz von Foerster vorschlug. In diesem Sinne empfiehlt es sich, zunächst zu unterscheiden, ob wir die Effekte unserer Entscheidungen sicher kennen, obwohl sie sich aus der Wechselwirkung mit Entscheidungen Dritter ergeben. Dieser Fall ist der komfortabelste, wenngleich für Spieltheoretiker auch der langweiligste. Ist dies nicht so, sollten wir unterscheiden, ob die Wahrscheinlichkeiten der möglichen eintretenden Effekte bekannt sind oder nicht. Sind die Wahrscheinlichkeiten bekannt, kann eine optimierte Entscheidungsempfehlung in Form einer gemischten Strategie gefunden werden. Wir haben es dann mit einer kalkulierbaren, risikobehafteten Entscheidung zu tun. Sind die Wahrscheinlichkeiten aber nicht bekannt, haben wir es mit einer nicht kalkulierbaren Entscheidung unter Unsicherheit zu tun. In diesem unkomfortablen Fall sollte versucht werden, vernünftige Annahmen über die Wirkungen der Entscheidungsoptionen zu treffen. Wenn auch dies nicht möglich ist, sollte so entschieden werden, dass sich durch die Entscheidung möglichst viele Handlungsmöglichkeiten erschließen. In solchen Fällen ist nämlich keine rationale Entscheidung möglich. Dadurch, dass man sich den Handlungsspielraum möglichst weit offenhält, kann zumindest im nächsten Schritt mit höherer Varietät, also mit mehr Handlungsmöglichkeiten entschieden werden.

Zum Abschluss eine beunruhigende Nachricht: Kurt Gödel erkannte nämlich, dass logische Systeme, selbst wenn sie äußerst gewissenhaft konstruiert sind (wie in der Principia Mathematica von Bertrand Russell und Alfred North Whitehead), gegen Unentscheidbarkeit nicht immun sind.

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