Das Prinzip der Selbstbindung nach Thomas C. Schelling

Um das beste Ergebnis für alle Beteiligten zu erzielen, ist es erstrebenswert, die Wahrscheinlichkeit kooperativen Verhaltens in Entscheidungssituationen zu steigern, die sich wechselseitig beeinflussen. In wiederholten Interaktionen kann gute Erfahrung das Vertrauen in das kooperative Verhalten fördern. Aber auch gute Erfahrungen mit bisherigen Transaktionen schließen nicht aus, dass ein Partner künftig defektiert. Eine bewährte Möglichkeit, die das Vertrauen in künftig kooperatives Verhalten verstärkt, ist die Selbstbindung. Beteiligte an sich wechselseitig beeinflussenden Entscheidungsprozessen können durch Selbstbindung Sicherheit signalisieren und dadurch Kooperationen ermöglichen bzw. fördern. Selbstbindung kann durch reputationsbildende Maßnahmen glaubwürdig kommuniziert werden.

Beispielsweise kann ein Fonds-Manager signalisieren, niemals in die Rüstungsindustrie zu investieren oder nur in Unternehmen mit ökologisch und sozial nachhaltigem Geschäftsmodell.

Ein Unternehmen kann aber auch signalisieren, in die Insolvenz zu gehen, falls ein abhängiger Kunde keine Preiserhöhung und keine Verkürzung der Zahlungsziele akzeptieren sollte.

Im ersten Fall kann die Selbstbindung zusätzliche Anleger locken und den Fonds stärken. Im zweiten Fall würde das Unternehmen eine Kooperation durch seine Drohung erzwingen.

Selbstbindung kann sowohl in simultanen als auch in sequentiellen Entscheidungssituationen Kooperation fördern, sie kann aber auch, sofern sie als Bluff missverstanden wird, Katastrophen herbeiführen.

Es ist bereits vorgekommen, dass angedrohte Militärschläge als Bluff aufgefasst wurden und in der Folge Kriege ausgelöst haben.

In wiederholten Spielen stehen die Beteiligten vor der Herausforderung, sich an ihre abgegebene Selbstbindung zu halten. Ein Bruch der Selbstbindung kann zwar kurzfristig Vorteile verschaffen, wird aber langfristig, also bei weiteren Spielgängen, zu Nachteilen führen. Der Grund ist die Reziprozität der Wirkungen. Gebrochenes Vertrauen führt zu Reputationsverlust und zum Verlust von Kooperationsgewinnen für alle Beteiligten. Im Extremfall völligen Misstrauens müssen sich die Interaktionen der Partner auf strikt kontrollierbare Gleichzeitigkeit der korrespondierenden Handlungen beschränken. Wo auch das Vertrauen in kleinere Zug-um-Zug-Interaktionen fehlt, können Treuhänder helfen.

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