Die deutsche Mentalität

Pauschal gelten Deutsche im Allgemeinen als gut organisierte Menschen, die Regeln und Verbote lieben und pünktlich, fleißig, diszipliniert, zuverlässig, aber auch vergleichsweise humorlos sind.

Tatsächlich bemühen sich viele Deutsche darum, alles immer ganz gründlich, gut und genau zu machen. Das kostet Zeit – und Flexibilität. In Deutschland wird der Ordnungssinn stärker kultiviert als in vielen anderen Ländern. Das artet dann auch schnell in Bürokratie aus, die nicht immer hilfreich ist. Um trotzdem produktiv zu sein, setzen sich viele Deutsche selbst gern Ziele, sogar tägliche Etappenziele. So erreichen sie ihre Ergebnisse auf effiziente Art und Weise. Gute Leistung treibt viele Deutsche an.

Mitarbeiter nehmen sich zwar mehr Freiheiten und nutzen intensiv flexible Arbeitszeitmodelle, sind aber während ihrer Arbeit bei der Sache und hoch engagiert. Ihnen wird von ausländischen Beobachtern gelegentlich bescheinigt, dass sie während der Arbeitszeit wenig Spaß verstehen. Offenbar trennen sie Berufliches und Privates konsequenter als Mitarbeiter anderer Nationen. Deutschen ist die Wahrung ihrer Privatsphäre wichtig. Freundschaften zwischen Kollegen, in denen auch Privates ausgetauscht wird, können entstehen, brauchen aber Zeit.

Diese Output-Effizienz schlägt sich aber auch in der Kommunikation nieder. Deutsche pflegen nämlich eine sehr direkte Kommunikation. Sie betreiben wenig bis gar keinen Smalltalk, sondern bringen Gespräche gern schnell auf den Punkt. Mit Menschen aus anderen Nationen, die es gewohnt sind, erst einmal eine harmonische Gesprächsatmosphäre zu schaffen, ecken Deutsche da schon mal an. Die Kommunikation in Deutschland ist „gerade heraus“ mit wenig diplomatischem Feingespür. Der Vorteil liegt darin, dass man immer weiß, woran man ist. Allerdings fällt es Menschen aus anderen Kulturkreisen, in denen eine sanftere Kommunikation mit Andeutungen „zwischen den Zeilen“ üblich ist, schwer, damit zurecht zu kommen.

Im Umgang mit Geschäftspartnern ist auf Deutsche in der Regel Verlass. Allerdings sollte man wissen, dass Deutsche das, was sie sagen, genauso meinen. Für ein „Ungefähr“ bleibt in der Kommunikation mit Deutschen kaum Spielraum. Möglichst alles wird von Deutschen beziffert und terminiert.

Diese Konzentration auf das Sachliche reflektiert sich auch darin, dass viele Deutsche sich mit Zahlen und Fakten besser überzeugen lassen als durch Emotionen und Story-Telling. So stehen sich viele Deutsche beim visionären Denken selbst auf den Füßen. Unternehmen wachsen eher organisch und durch konservative Finanzierung als durch visionäres Vorgehen, wie es beispielsweise in den USA häufiger beobachtet werden kann. Deutsche gelten als realistisch und sogar etwas risikoscheu. Trotz ausgeprägter Weltoffenheit macht ihnen Unbekanntes eher Angst, statt sie neugierig zu machen. Deshalb tun sie sich mit neuen Geschäftsmodellen und Produktinnovationen in der Regel schwerer als Menschen anderer Herkunft.

Mit einer Trial&Error-Vorgehensweise, wie sie in den USA und in Südostasien zu finden ist, fühlen sich viele Deutsche unbehaglich. Sie bevorzugen die Umsetzung durchdachter Konzepte und tun alles, um eingeführte Prozesse einzuhalten und zu bewahren, auch wenn sie nicht optimal sind. Das verleiht manchen deutschen Unternehmen eine gewisse Trägheit und macht Veränderungen schwierig.

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschen läuft eher informell ab. In Teams dutzen sich die Mitglieder oft sehr schnell, bleiben aber gleichzeitig professionell. Kollegen wissen nicht selten relativ wenig voneinander. Das heißt aber nicht, dass Deutsche weniger harmoniebedürftig sind als Menschen aus anderen Ländern. Sie zeigen es nur nicht so. Sie geben sich kühler. Daran ändert auch nichts, dass in deutschen Unternehmen Wert auf Mitarbeiter aus verschiedenen Kulturen gelegt wird.

Deutsche Führungskräfte arbeiten in der Regel nicht sehr distanziert von ihren Mitarbeitern. Das unterstützt eine agile Führung. Junge Mitarbeiter werden in Deutschland vergleichsweise früh in Entscheidungen eingebunden und lernen dadurch schnell dazu. Viele deutsche Führungskräfte wertschätzen, wenn ihre Mitarbeiter ihre Meinung und sogar Kritik einbringen. Das ist in vielen anderen Ländern eher nicht gefragt.

Ergebnisse werden von deutschen Vorgesetzten allerdings beinahe selbstverständlich erwartet, nicht aber unbedingt ausdrücklich anerkannt.

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